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  Lasst die guten Zeiten rollen
   
  Cajunmusic mit dem Yannick Monot Trio im Rahmen der Montagsreihe im Frank-Loebschen Haus
   
  Cajunmusic kann man in unseren Breiten nicht alle Tage hören. Sogar im legendären Cajun-Country in Lousiana droht die charismatische Musik der französischen Einwanderer allmählich zu verstummen. Dass es sich durchaus lohnt, ihr klingendes Vermächtnis zu bewahren, bewies das Yannick Monot Trio bei seinem gefeierten Auftritt im Rahmen der Montagsreihe in Landau.

Mit der "Fiddle" und dem Akkordeon, mit Banjo, Mandoline und diversen Gitarren, mit Mundharmonika und Cajun Yells, mit stampfenden Füßen, klatschenden Händen, einprägsamen Gesang und einfühlsamen Worten entfachte "The International Cajun Trio" im stimmungsvollen Innenhof des Frank-Loebschen-Hauses ein Sturmgebraus leidenschaftlicher Volks-Musik. Und dabei stand das Volk, dessen Seele diese gemütvolle, alle Gefühlswelten auslotende Musik, entspringt, ganz im Mittelpunkt des Abends.
Die Cajuns, das sind die frankophonen Einwanderer, die heute in Cajun-Country in Louisiana leben, weil sie als französische Siedler der ostkanadischen Region Acadia Mitte des 18. Jahrhunderts zu den Verlierern des britisch-französischen Krieges wurden. Von den Engländern vertrieben mussten die "Acadiens" ihr Hab und Gut verlassen und fanden nach verlustreichen Irrwegen im Bundesstaat Louisiana, der einem französischen Gouverneur unterstellt war, eine neue Heimat. Im Reisegepäck hatten die Flüchtlinge kaum mehr als ihre Lieder, die im amerikanischen Schmelztiegel verschiedener Kulturen bald schon neue Farbigkeit gewannen. Eine Farbigkeit, die sich heute in unorthodoxem Stilmix und kurioser Lautmalerei widerspiegelt, die aber dennoch einen unverwechselbaren Cahrakter bewahrt.

Yannick Monot (Akkordeon, Gesang, Gitarre, Mundharmonika), Helt Oncale (Fiddle, Gesang, Gitarre, Mandoline, Banjo) und Biber Herrmann (Gitarre, Gesang, Dobro, Mundharmonika, Cajun-Yells) haben dieses Konglomerat in Dur und Moll verinnerlicht, alte Weisen vor dem Vergessen bewahrt und die ursprüngliche Musik mit modernen Elementen und Akzenten weiterentwickelt. Dabei nehmen sie mutig Anleihen aus der Countrymusic und dem Jazz, der musique francaise, dem Swing und dem Blues. Mit überlieferten Texten, aber auch mit eigenen Kompositionen und der Bearbeitung bekannter Songs, erzählen sie vom Alltag der Menschen, von ihrer Arbeit und ihren Bräuchen, von ihren Ängsten und Sorgen, von der Geselligkeit und immer wieder vom guten Essen.

Ruhige, sensuchtsvolle Balladen lassen den "Old Man River" Mississippi an einsamen Farmen und endlosen "cotton fields" vorbeiziehen, klagende Gesänge mit wehmütigem Ton und kreolischen Rhythmen erinnern an das leidvolle Schicksal der Sklaven, temperamentvoll-ungestüme Tanzlieder lassen auch die Zuhörer im typischen "Two Step" Rhythmus mit den Füßen wippen, und über allem weht der Cajun-Geist des "Laissez les bons temps rouler" (Lasst die guten Zeiten rollen.)

Besonders gut gelang dem Yannick Monot Trio bei seinem Konzert im Frank-Loebschen-Haus dieser Vorsatz mit kraftvollen, lautmalerischen (Ton)Geschichten, etwa dem Rolling Stones Song vom "Little Red Rooster" oder der halsbrecherische Autofahrt "You can't catch me" - Songs, die in ihrer herzhaft-temperamentvollen Interpretation der guten Laune so viel Raum ließen, dass man über manche technische Ungereimtheit und ein mitunter allzu unkoordiniertes Zusammenspiel gerne hinweghörte, zumal die Musik von Herzen kam und auch die Herzen der Landauer eroberte.
   
  Brigitte Schmalenberg, Zeitung , Montag, 31. Juli 2006