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  The International Cajun Trio
   
  Vor über 25 Jahren war Le Clou die Band, die die Cajunflagge hochhielt, damals schon gern gesehener Gast in unseren Folkclubs. Yannick Monot stieg dann aus und gründete eine eigene Band, "Yannick Monot & Nouvelle France", so genannt nach der jetzigen Provinz Nova Scotia in Ostkanada, die früher, solange die Franzosen dort regierten "Nouvelle France" hieß. Dann eroberten die Engländer die Gegend, tauften sie um und verjagten die französischen Siedler, eben die Cajuns. Le Clou machte ohne Yannick weiter, die Folkclubs hatten Platz und Publikum für zwei Cajunbands; beide brachten sie über die Jahre viele LPs/CDs heraus. Freilich brachten beide nicht ausschließlich Cajun Music, da gibt es auch Blues, Country, acoustic Folk und eigene Kompositionen zu hören.

Umgekehrt spielten die Countrybands gern ab und zu ein Cajunstück, und sei es nur "Jambalaya", das seinerseits auf ein Cajunoriginal "Grand Texas" zurückgeht. Einer tat sich in dieser Hinsicht besonders hervor, einer, der tatsächlich aus Louisiana stammt und einmal in Deutschland hängen geblieben war, Helt Oncale (BB 140/08). Das Mississippidelta war gleichzeitig eine, wenn nicht die Quelle des Blues, Robert Johnson ist da als Repräsentant zu nennen, und Cajun gemixt mit Blues und karibischen Rhythmen ergibt den Zydeco. Blues ist hierzulande, anders als Country Music, eine respektierte und vielfach gepflegte Musikrichtung, ein Vertreter, der sich auf akustischen Folk und Delta-Blues spezialisiert hat, ist Biber Hermann.

So ist es kein Wunder, dass die drei sich einmal trafen, Ende 2004 bei einer Jamsession. So ganz unvorbereitet verstanden sie sich gut, und bald kamen sie überrein, dass das Zufallstrio gemeinsam Bestand haben sollte. Der Franzose, der Amerikaner und der Deutsche hoben dann 2005 das "International Cajun Trio" aus der Taufe. Wie mit ihren anderen Bands unternehmen die drei Weltenbummler immer wieder kleine Ausflüge zu verwandten Musik-Richtungen, zu französischen Chansons, Vorkriegsblues, Country-Swing, Bluegrass und Mardi-Grass-Rhythmen, alles auch in eigenen Stücken vertreten.

Ihre Musik ist nicht gerade Allgemeingut und ein Publikum ist nicht immer bereit, etwas Neues aufzunehmen. Aber die Presseberichte sind des Lobes voll, das Trio versteht es, alle Hörer für sich und seine Musik zu gewinnen. Eine offizielle CD bieten sie noch nicht an, aber sie haben eine CD mit einigen Titeln vorbereitet, wohl eher als Demo für Auftrittsplätze; sie beginnt ganz cajuntypisch mit dem Standard "J'étais au bal". 'Daneben existiert ein Mitschnitt vom 26. Lahnsteiner Bluesfestival mit Richard Bargel (ihn habe ich 1985 im Vorprogramm von Al Rapone erlebt) und Giorgina Kazungu als Gästen. Für ganz große Fans haben sie vielleicht ein Exemplar übrig - ich hoffe, das sie bald einmal persönlich in meine Gegend kommen - meinen Lesern wünsche ich das entsprechend auch.

Kontakt www.international-cajun-trio.de
   
  Bluegrass Bühne , Nr. 158, Ausgabe April-Mai 2007